Dr. Radomsky Coaching und Training

dvct zertifizierter Coach

Am Alexanderplatz in Berlin flog mir heute morgen eine Schar Stare vor die Füße. Vom kräftezehrenden Flug aus dem Süden ausgehungert, balgten sie sich um Brötchenreste. Regen und Nordwind zausten ihre Federn, doch die Stare zwitscherten in Frühlingslaune.

Als ich am Abend wieder unsere Waldsiedlung am Stadtrand erreiche, atme ich auf. Ein zartes Lichtblau hat das Bleigrau vom Himmel inzwischen verdrängt, die Abendsonne tönt ein paar Cumulus-Wolken.

Doch meine Stimmung passt nicht zu diesem Anblick.

Wolken in Apricot vor Kiefern: Endlichkeit

Freunde von uns haben in den letzten Tagen zwei liebe Menschen verloren, darunter ein ganz kleines Menschlein. Auch wenn mich das nicht direkt betrifft, spüre ich, wie sich mir die Kehle zuschnürt.

Ich fühle mich hilflos – was kann ich tun, um ihnen in ihrem Verlust beizustehen? Am liebsten würde ich sie in den Arm nehmen, doch sie sind nicht hier. Also erst einmal eine Trauerkarte schreiben.

Ist Dir irgendwann aufgefallen, wie bombastisch die meisten Trauerkarten daherkommen? Ich suche eine mit schlichtem Motiv und ohne pathetische Sprüche. Und wenn ich sie geschrieben habe – was mache ich dann?

Jäh werde ich an die Endlichkeit des Lebens erinnert. An die meiner Liebsten, meiner Freunde, meine eigene.

Wahrscheinlich werde ich mindestens neunzig wie meine Großmutter. Doch vielleicht ist ja auch schon morgen alles vorbei. Was kann ich tun, um mit dieser Ungewissheit zu leben, ohne sie zu verdrängen?

Ich erinnere mich, ich will

wieder öfter daran denken, dass jeder Tag ein Geschenk ist,
nichts auf morgen verschieben, wovon ich träume,
aufmerksam und liebevoll zu den Menschen sein, die mir wichtig sind.

Und nun kann ich beim Anblick der apricotfarbenen Wölkchen zwischen den Kiefernwipfeln wieder etwas lächeln.

Ich mag diese Zeilen von Rainer Maria Rilke:

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ähnliche Themen

Was uns hoffen lässt

Was uns hoffen lässt

Blackout: 31 Stunden ohne Strom

Blackout: 31 Stunden ohne Strom

Brücken bauen #darumfrieden

Brücken bauen #darumfrieden

Josefinas Kuh. Selbstbestimmung im Digitalzeitalter

Josefinas Kuh. Selbstbestimmung im Digitalzeitalter

Christine Radomsky


Wie wäre es: Wieder mehr Freude, Sinn und Erfolg in der Arbeit erleben, auch wenn du schon viele Jahre im gleichen Unternehmen arbeitest?

Dr. Christine Radomsky begeistert sich für gute Arbeit, die Menschen froh macht. ​Ihr Herz schlägt für neugierige Menschen, ihre Teams und Digitaltechnologien. Als Spurwechsel-Coach hilft sie berufserfahrenen Angestellten, sich im Beruf weiterzuentwickeln oder einen neuen Job zu finden.

Tiefe berufliche Umbrüche kennt sie aus eigenem Erleben: von der Physikerin zur Software-Ingenieurin, von der Teamleiterin zum Coach.
Für lebenserfahrene Menschen im beruflichen Umbruch, die in einer Welt schnellen Wandels erfüllter leben wollen, entwickelt sie gemeinsam mit ihrem Partner Dr. Michael Radomsky Onlinekurse zur Selbstführung.

Auf ihrem Blog unter alcudina.de/sinncoach_blog teilt sie Anregungen für lebenslange persönliche Entwicklung und ein sinnerfülltes Leben.
Ihr Buch "Willkommen in der Welt der Digital Natives" (Redline-Verlag 2019) führt vergnüglich durch die digitale und menschliche Arbeitswelt von heute und morgen.

Hinterlasse einen Kommentar:


​Deine Emailadresse wird nicht veröffentlicht. ​Notwendige Felder (*)

  1. Vielen Dank,
    liebe Christine,
    für diesen wunderbar formulierten Artikel.
    Ja jeder Tag ist ein Geschenk! Aufmerksamkeit und Liebe sind Geschenke! Das Leben ist Endlich!
    Ich finde auch, dass es wichtig ist, sich daran zu erinnern. Viele Probleme scheinen im Licht dieser Endlichkeit doch eher als unwichtig. Doch dann kommt, zu mindestens bei mir, oftmals das normale Leben. Viele kleine und größere Themen bestimmen den Alltag.
    Danke, dass du mich nochmals an die wichtigen Dinge erinnert hast.
    Peter

    1. Lieber Peter,
      herzlichen Dank für Deine Worte. Mir geht es oft wie Dir: Im Alltag überdecken die vielen kleinen und großen Dinge des Alltags schnell, was wir eigentlich wissen: Das Leben ist endlich und kostbar. Ich freue mich, mit Dir auf einer Wellenlänge zu schwingen.
      Viele Grüße nach Köln
      Christine

  2. Liebe Christine.
    Der Artikel und auch der Beitrag haben mich berührt. Sicherlich auch, weil ich selbst zur Zeit große Angst habe, geliebte Menschen zu verlieren. Aber wie Sabine so schön schrieb : Leben und Tod gehören zusammen.
    Das eigene Leben sinnvoll und schön zu gestalten – ist die eine Sache. Damit umzugehen, dass andere lebenswert Leben möchten, wenn sie es denn nur noch könnten … das ist die andere Sache. Und alles zu verbinden – ist wohl die hohe Kunst !
    Liebe Grüße von Monika

    1. Liebe Monika,
      Dein Kommentar berührt mich auch. Dir und Deinen geliebten Menschen wünsche ich von Herzen viel Kraft und Gelassenheit. Ich weiß, dass das schwer ist.
      Einen schönen Abend und liebe Grüße
      Christine

  3. Liebe Christine,

    erstmal einen Hug von mir für Dich, für Deinen Schmerz und die Berührung mit dem Tod, die Du gerade so schmerzlich erfahren musstest. Trotzdem glaube ich, es gehört zu unseren Lebensaufgaben auch mit dem Tod unseren Frieden zu schliessen. Bei meiner Omi habe ich erlebt, dass er auch ein Geschenk sein kann. Sie wurde plötzlich so müde zu leben und es gab Jahre in denen sie einfach gehen wollte, ähnlich wie man nach einem langen erfüllten Tag endlich Schlaf finden will, so wollte Sie am Ende ihres langen erfüllten Lebens damit abschliessen bevor der Verfall ihr die Würde nahm, die so wichtig für sie war.

    Ich denke der Tod kommt nie zur rechten Zeit, für die einen, wie für die Angehörigen Deiner Freunde, kommt er zu früh, für die anderen, wie meine Omi, kommt er zu spät. Für mich ist beides ein Geschenk, das Leben und der Tod und beides gehört zusammen, wie Freude und Leid, Ying und Yang, oder was es sonst noch alles an Gegensätzen gibt.

    Ich finde es bewunderswert, wenn Menschen ihr Leben als Ganzes betrachten, als Werk das sie weiterspinnen, Ring um Ring, wie Du es so schön gesagt hast, wenn Sie aber auch auch Sorge tragen, dass der Abschluss, den man ja nicht in der Hand hat, nicht andere mit in die Tiefe reisst. Lebe jeden Tag als sei es Dein letzter, lass nichts offen, was wichtig ist für Dein Leben, denn Du weisst nicht, ob Du morgen noch die Chance hast, es zu korrigieren. Wenn es wirklich wichtig ist, korrigiere es heute. Viele bedeutende Menschen, wie etwa Steve Jobs haben so gelebt. Ich versuche es auch. Ob es mir immer gelingt ist eine andere Sache, vielleicht zu 80%, was wie ich gerade gelernt habe, gut genug ist.

    Liebe Grüsse aus dem sonnigen Zürich und ja das Leben ist ein Geschenk, jede Minute davon und jeder wärmende Sonnenstrahl,
    Sabine

    1. Liebe Sabine,
      lieben Dank für Deine Umarmung über 900 km hinweg.
      Deine Gedanken zu Leben und Tod finde ich so treffend und schön, dass mir gar nichts zu sagen bleibt.
      Und ja – 80 % ist gut genug.
      Lass es Dir gut gehen und liebe Grüße
      Christine

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}