Dr. Radomsky Coaching und Training

dvct zertifizierter Coach
Vor kurzem habe ich eine Grafik entdeckt, die mich nachdenklich stimmt. Sie stammt aus der Online-Publikation OurWorldInData.org [1], die die Veränderung unserer Welt begreifbar macht, indem sie Statistik-Daten visualisiert. Die Grafik beschreibt die Entwicklung der weltweiten Internet-Nutzung.

Im Jahre 1995 lag die Anzahl der Internet-Nutzer weltweit noch unter 70 Millionen (das entspricht etwa der heutigen Bevölkerungszahl Frankreichs). Dagegen nutzen heute mehr als 3 Milliarden Menschen das Internet – das sind etwa 40 % der Weltbevölkerung. Tendenz stark steigend.

Internet users by world region. Source: OurWorldInData.org/internet

Im Frühjahr 1995 – dem Jahr, in dem die Zeitachse der Grafik beginnt, schlenderten Michael und ich über die CeBIT und schauten uns fasziniert Computer an. Damals lag das heute längst vergessene Betriebssystem OS/2 noch mit Windows gleichauf.

Kurz darauf kauften wir unseren ersten PC und verbanden ihn per Modem mit dem Internet. Damit gehörten wir zu den Ersten, die sich privat für telnet, ftp, gopher, news und email begeisterten.

Falls auch Du Dich an das unnachahmliche „tütülütü“ eines Modems erinnerst, bist Du wohl auch einer der frühen Internet-Fans.

Nur wenige der ersten Internet-Dienste haben überlebt. Der Durchbruch zum Massenmedium kam mit dem WWW. Tim Berners-Lee und seine Kollegen vom Genfer Kernforschungszentrum CERN hatten die geniale Idee, die Informationen im Internet über Hyperlinks zu vernetzen.

So entstand das World Wide Web, das die Internet-Nutzung vereinfachte. Damit explodierten die Nutzerzahlen.

Trotz meiner frühen Begeisterung für das Internet bin ich kein „digital native“. Als Gagarin die Erde umrundete, war ich ein kleines Mädchen mit Zöpfen. In der Schule habe ich noch gelernt, mit Rechenschieber und Wörterbuch umzugehen; ich liebte die Brockhaus-Bände im Bücherregal meiner Eltern.

Manchmal höre ich, die rasante Technologieentwicklung entwerte Wissen und Lebenserfahrung unserer Generation.

Das CAD-Programm und die Programmiersprache von vor 20 Jahren sind heute wohl wohl nicht mehr nützlich. Doch wir haben Kompetenzen, die Jüngere in diesem Ausmaß nicht besitzen. Hier nur drei davon:

  • Wir sind in Konflikten geübt und emotional zunehmend gelassener
  • Wir haben diverse Veränderungen gemeistert und wissen, was wichtig ist im Leben
  • Auf Grund umfangreicher Erfahrungen haben wir oft ein erstaunlich sicheres Bauchgefühl darüber, ob Informationen verlässlich sind und wie unklare Situationen ausgehen

Alter Baum - Lebenslanges Lernen für Lebenserfahrene

Immer mehr Lebenserfahrene lernen ein Leben lang und bleiben neugierig auf neue Entwicklungen und Technologien.

Dabei leiste ich mir, anspruchsvoll zu sein und zu sein und zu fragen:

  • Hilft mir diese Technologie dabei, selbstbestimmt und fokussiert zu leben? Oder erhöht sie den Pegel an weißem Rauschen, der in den sozialen Medien von heute präsent ist?
  • Bringt sie mich anderen Menschen näher – wie z.B. Skype?
  • Hilft sie mir, für mich Wesentliches zu lernen und zu entdecken – wie z.B. Plattformen für das Online-Lernen?

Wenn ich mindestens eine Frage davon mit „Ja“ beantworte, lasse ich mich auf eine neue Technologie ein. Andernfalls ignoriere ich sie gelassen.

Nein, ich brauche nicht das allerneueste Smartphone oder die allerletzte App. Dagegen brauche ich das Internet und viele seiner Quellen.

Übrigens habe ich auch noch gelernt, Liebesbriefe zu schreiben. Auf Papier, mit der Hand und länger als die 140 Zeichen eines Tweets. Unvergleichlich :-).

Falls Du über fünfzig bist – mit welchen Deiner Erfahrungen kannst Du heute noch im Vergleich zur Generation Y punkten? Ich lade Dich ein, Deine Gedanken in einem Kommentar mit uns zu teilen.

Quellen:
[1] Internet users by world region
[2] Creative Commons Lizence CC BY-SA

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Christine Radomsky


Wie wäre es: Wieder mehr Freude, Sinn und Erfolg in der Arbeit erleben, auch wenn du schon viele Jahre im gleichen Unternehmen arbeitest? Dr. Christine Radomsky begeistert sich für gute Arbeit, die Menschen froh macht. ​Ihr Herz schlägt für neugierige Menschen, ihre Teams und Digitaltechnologien. Als Spurwechsel-Coach hilft sie berufserfahrenen Angestellten, sich im Beruf weiterzuentwickeln oder einen neuen Job zu finden. Tiefe berufliche Umbrüche kennt sie aus eigenem Erleben: von der Physikerin zur Software-Ingenieurin, von der Teamleiterin zum Coach. Für lebenserfahrene Menschen im beruflichen Umbruch, die in einer Welt schnellen Wandels erfüllter leben wollen, entwickelt sie gemeinsam mit ihrem Partner Dr. Michael Radomsky Onlinekurse zur Selbstführung. Auf ihrem Blog unter alcudina.de/sinncoach_blog teilt sie Anregungen für lebenslange persönliche Entwicklung und ein sinnerfülltes Leben. Ihr Buch "Willkommen in der Welt der Digital Natives" (Redline-Verlag 2019) führt vergnüglich durch die digitale und menschliche Arbeitswelt von heute und morgen.

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  1. Hi Christine,
    wir können immer frei entscheiden, welche Technologien und welche digitalen Entwicklungen wir mitmachen. Ob das Luxus ist, sollte jeder selbst entscheiden. Kann mir vorstellen, dass auch einige es als Last empfinden, wenn sich Kommunikationswege ändern. Inhalt und Übertragungsweg sind getrennt zu betrachten. Es kommt auf den Inhalt (die Botschaft) an, egal welche Technologie für die Informationsübertragung genutzt wird.

    Bleib zufrieden und genieß dein Leben
    Silvia

    1. Hi Sylvia,
      interessanter Aspekt, dass es manche Menschen vielleicht nicht als Luxus, sondern als Last empfinden, wenn sich Kommunikationswege ändern. Da hast Du sicher Recht, denn Neues erfordert ja immer einen gewissen Lernaufwand. Dass die Botschaft wichtiger als der Kanal der Nachrichtenübertragung ist, sehe ich auch ebenso wie Du. Gleichzeitig können moderne Informations- und Kommunikationstechnologien mehr (und sind preiswerter) als frühere. Beispiel: 1 Stunde Ferngespräch nach Amerika versus eine Stunde Skype oder Zoom. Von den Möglichkeiten, sich Informationen zu besorgen, Neues zu lernen und sich zu vernetzen ganz abgesehen.
      Viele Grüße
      Christine

  2. Hallo Christine, ich genieße es sehr, beide Welten gut zu kennen: die analoge und die digitale. Für mich mit Mitte 50 ist es so, dass ich es kaum nachvollziehen kann, wieviele Menschen unserer Generation immer noch kaum einmal in den Computer schauen und wenn überhaupt, maximal eine Email verschicken können. Der schnelle Zugriff auf Informationen der unterschiedlichsten Art ist wunderbar, mich mit Gleichgesinnten vernetzen zu können ebf..
    Aber ich finde es auch super, dass ich mich wunderbar entspannen kann und nicht jeden Hype mitmachen muss. Mit zunehmenden Lebensjahren sollte die Umständlichkeit des Lebens abnehmen. Daher belaste ich mich nicht mit unnötigen digitalen Welten, aber auch nicht mehr mit vielen Dingen der analogen Welt. Ich stelle exakt nur noch die Dinge in die Wohnung, die ich wirklich brauche und mag – auch wenn dann gerade die über 50-Jährigen immer noch manchmal denken, bei mir sei die Armut ausgebrochen (oder ich hätte einen Komplett-Schuss) und mir Tipps geben wollen, wo ich denn noch irgendwas hinstellen kann. Nein, will ich nicht! Ich habe keine Lust mehr, mir irgendein Zeugs in die Wohnung zu stellen, nur weil das so üblich ist. Erinnerungen bewahre ich im Herzen, nicht in Schränken und Dachböden auf.
    Ich genieße diese Freiheit wirklich sehr!

    1. Hallo Gabi, vielen Dank, dass Du Deinen Blick auf digitale und analoge Welten mit uns teilst. Dir sind Digitaltechnologien für unkomplizierte Informationssuche und Vernetzung unverzichtbar – das geht mir genau so. Und wer sie heute noch nicht beherrscht, kann Nützliches auch in der zweiten Lebenshälfte noch lernen. Wenn er ein starkes Motiv dafür hat, versteht sich.
      Was die analogen Welten betrifft, finde ich wunderbar, dass Du Dich auch hier achtsam auf das konzentrierst, was Du brauchst und magst. Da kann ich sicher von Dir lernen – manchmal merke ich, dass ich zu viele materielle Dinge habe. Und mir tut gut, mich dann von Überflüssigem zu trennen. Eine konsequente Minimalistin werde ich vermutlich nicht werden. Doch ich kann mir vorstellen, dass Dir das eine große innere Freiheit gibt.
      Viele Grüße Christine

  3. Ja, liebe Christine, die Älteren von uns haben eine unglaubliche technologische Veränderung des Lebens erlebt. Um diejenigen, die diese Texte jetzt lesen, ist mir auch nicht bange: wir kennen in der Regel unsere Bedürfnisse und Interessen sehr genau und sind entsprechend wählerisch. Nach Interessen auszuwählen trifft aber nicht immer das, was für’s Leben wichtig ist. Früher konnte man an jedem Bahnhof zum Schalter gehen und eine Fahrkarte sonstwohin kaufen. Heute sehe ich oft ältere Leute völlig ratlos und überfordert am Automaten stehen. Was ist das? Anschluss verpasst? Oder sind die Automaten von der Generation Y für die Generation Y entwickelt, die in 140 Zeichen und kryptischen Kürzeln redet? Es ist nicht nur eine technologische Frage, auch die Älteren immer weiter einzubeziehen und mitzunehmen in der Entwicklung. Da bin ich jedoch ziemlich optimistisch: das hat in unserer Gesellschaft fast immer ganz gut funktioniert. Wirklich Angst machen mir aber Aktivitäten, die bereits vor einigen Jahren vom israelischen Historiker Harari skizziert wurden und nun von Elon Musk mit Neuralink realisiert werden soll: die Verbindung des menschlichen Gehirns mit Schaltkreisen – also im weitesten Sinne die Schaffung von Cyborgs. Technologie, Soziologie und Ethik verquicken sich hier und was als Ergebnis für die Gesellschaft da entsteht, ist noch gar nicht abzusehen.

    1. Lieber Alex,
      da sprichst Du gleich zwei interessante Themen an.
      Ja, die modernen Geräte und Applikationen sollten die Bedürfnisse aller Nutzer berücksichtigen – auch die der Älteren, von denen nicht alle technik-affin sind. Wie Du schreibst, bist Du jedoch in Sachen „Einbeziehung Älterer in die Entwicklung“ optimistisch. Ich auch :-). Vielleicht kennst Du die Story der Amerikanerin Barbara Beskind, die mit 91 Jahren als älteste Designerin der Welt die Designschmiede Ideo berät. Ähnliches ist noch zu selten, aber immerhin.
      Dein zweites Thema ist hochspannend. Auch ich finde die angedachte Schaffung von Cyborgs und Neuro-Enhancement gruselig. Leider hat die Wissenschafts- und Technologiegeschichte bisher gezeigt, dass alles, was technisch machbar ist, auch gemacht wird – ohne Rücksicht auf die Folgen (Beispiel: Atombombe). Ethische Gedanken kommen dann oft viel zu spät…
      Vielen Dank, dass Du Deine Gedanken mit uns geteilt hast.
      Christine

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