Dr. Radomsky Coaching und Training

dvct zertifizierter Coach

Urlaubszeit. Sonnengebräunt, mit ein paar Kratzern an den Waden und vom Duschen feuchten Haaren schaufeln Daniela und Otto Berge von Kartoffelsalat.

Heute morgen noch sind sie mit zwei Fahrradtaschen durch Brandenburg geradelt. 10 Tage Fahrrad-Urlaub mit Minimalgepäck. Jetzt sitzen sie an unserem runden Tisch - Boxenstopp in der Zivilisation.

Otto trinkt einen tiefen Schluck Radeberger, wischt sich den Schaum von den Lippen und seufzt zufrieden. Dann erzählt er von Gerstenfeldern, die sich im Wind wiegen, gesprenkelt mit Klatschmohn und Kornblumen. Vom Rheinsberger Schloss, das sich im See spiegelt. Vom Porträt eines alten Mannes im Museum, dessen klarer Blick ihn beeindruckt hat.

Mir läuft ein Schauer über den Rücken. Denn Otto ist blind.

Vor Jahren konnte er noch helle und dunkle Flächen unterscheiden. Doch dann erlosch sein Sehvermögen ganz.
Er war vorher noch nie in Rheinsberg. Und doch hat er all das beim Biken gesehen.

Gesehen? Beim Biken?

Daniela und Otto sind mit dem Tandem unterwegs. Und Daniela erzählt Otto alles, was sie sieht, bis ins Detail.

Sie schenkt mir neue Augen, sagt Otto von seiner Frau.

Ich stelle mir vor, wie sehr sie sich Tag für Tag auf ihren Mann einstellen muss. Bis zur Selbstaufgabe? Daniela lächelt, als hätte sie meine Gedanken erraten

Bevor wir uns kannten, war ich unglaublich schüchtern und still, sagt sie. Weil Otto blind ist, beschreibe ich für ihn alles ganz genau. Nicht nur Dinge, sondern auch Gefühle. Er kann ja meinem Gesicht nicht ablesen, wie mir zumute ist. Mit meinem Ex sprach ich nie darüber, wie es mir gerade geht. Mit Otto schon. Mit ihm bin ich offener geworden.

Ich staune – so viel Vertrauen. Sie schenkt ihm neue Augen, er schenkt Ihr einen Spiegel für ihre Gefühle. Und beide sagen einander, wie dankbar sie sich gegenseitig sind.

Tadem - Langzeit-Beziehung

Was Menschen ein Leben lang glücklich macht

Wie stellst Du Dir Daniela und Otto vor?

Daniela hat zwei fast erwachsene Kinder und liebt Reisen und ihre Arbeit als Kunsthistorikerin in einem Museum. Otto ist Vater einer Tochter, Großvater zweier Knirpse und emeritierter Hochschullehrer. Heute setzt er sich in einer NGO ein, die Waffen weltweit bannen will. Er spricht auf Konferenzen. Auf seinem Computer mit Sprachsteuerung schreibt er Artikel und Emails und betreut die Facebook-Seite seiner Regionalgruppe.

Die beiden zeigen, wie eine Langzeit-Beziehung gelingen kann: Sie bauen täglich daran. Damit haben Sie gute Chancen, gesund und glücklich alt zu werden.

In der längsten Studie der Welt begleiteten drei Generationen von Havard-Wissenschaftlern über 75 Jahre hinweg mehr als 700 Menschen auf ihrem Lebensweg. Sie verfolgten Biografien, Blutdruck und Laborwerte, werteten zahllose Fragebögen aus und scannten schließlich auch Gehirne im Computertomografen.

Die Wissenschaftler erkundeten, welche biologischen und psychosozialen Faktoren über die Lebensspanne hinweg zu Gesundheit und Wohlbefinden in den Achtzigern, Neunzigern und darüber hinaus beitragen. Sie entdeckten Verblüffendes, denn ein Faktor ist dominant:

Menschen, die ihr Leben lang vertrauensvolle soziale Beziehungen pflegen, leben auch im Alter am glücklichsten.

Der Mensch an Deiner Seite

Ob geliebte Familienmitglieder oder enge Freunde – wir brauchen andere Menschen, die uns so annehmen, wie wir sind.

Falls Du das Glück hast, einen solchen Menschen an Deiner Seite zu haben: Wie geht es Dir mit ihm? Wann erzählt Ihr euch gegenseitig von euren Erlebnissen, euren Träumen, Zielen und Ängsten? Wie oft teilt Ihr Gedanken und Gefühle, ohne den anderen verändern zu wollen?

Denn es ist nicht genug, unter dem selben Dach zu leben oder sich oft zu treffen. Wichtiger ist, dass wir immer wieder offen und neugierig auf den anderen zugehen. Frisch verliebt klingt das einfach. Wenn der andere Mensch jedoch schon Jahre und Jahrzehnte unser Leben teilt, braucht es Achtsamkeit.

Unachtsamkeit ist wie Sandpapier. Sie schmirgelt das Wunderbare weg, das wir jeden Tag miteinander erleben können.

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Suchst Du ein paar Anregungen, wie Ihr Eure Langzeitbeziehung beleben könnt? Dann findest Du sie vielleicht in diesem lesenswerten Beitrag von Raum für Euch.

Wenn Michael und ich Fahrradurlaub machen, sind wir mit zwei Rädern unterwegs – anders als das Tandem-Paar Daniela und Otto. Doch ich bin genauso froh wie Daniela, dass es meinen Liebsten in meinem Leben gibt.

Unsere Söhne sind schon längst erwachsen, doch wir teilen immer noch viele Träume und Projekte und genießen gemeinsame Momente ganz bewusst. Sternschnuppen im Alltag – immer wieder schön. Wir geben uns gegenseitig Raum zum Fliegen...

Aber jetzt koche ich uns erst einmal einen Espresso. Dir wünsche ich heute ein paar schöne Augenblicke mit Deinem Lieblingsmenschen.

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Christine Radomsky


Wie wäre es: Wieder mehr Freude, Sinn und Erfolg in der Arbeit erleben, auch wenn du schon viele Jahre im gleichen Unternehmen arbeitest? Dr. Christine Radomsky begeistert sich für gute Arbeit, die Menschen froh macht. ​Ihr Herz schlägt für neugierige Menschen, ihre Teams und Digitaltechnologien. Als Spurwechsel-Coach hilft sie berufserfahrenen Angestellten, sich im Beruf weiterzuentwickeln oder einen neuen Job zu finden. Tiefe berufliche Umbrüche kennt sie aus eigenem Erleben: von der Physikerin zur Software-Ingenieurin, von der Teamleiterin zum Coach. Für lebenserfahrene Menschen im beruflichen Umbruch, die in einer Welt schnellen Wandels erfüllter leben wollen, entwickelt sie gemeinsam mit ihrem Partner Dr. Michael Radomsky Onlinekurse zur Selbstführung. Auf ihrem Blog unter alcudina.de/sinncoach_blog teilt sie Anregungen für lebenslange persönliche Entwicklung und ein sinnerfülltes Leben. Ihr Buch "Willkommen in der Welt der Digital Natives" (Redline-Verlag 2019) führt vergnüglich durch die digitale und menschliche Arbeitswelt von heute und morgen.

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  1. Pingback: Glückliche Partnerschaft: die 3 besten Beziehungstipps
  2. Liebe Christine, das ist ein sehr schöner Artikel und für mir kommen dabei drei Erkenntnisse in den Sinn, die ganz entscheidend mein eigenes Leben prägen und mir Orientierungshilfe geben:

    1) Resonanz à la Hartmut Rosa (https://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/hartmut-rosas-soziologie-der-schwingungen-wenn-die-welt-zum-resonanzraum-wird-ld.87627): Resonanz ist das was uns am Leben hält: Jemanden, der sagt, für mich passt Du genau so wie Du bist. Wo wir das finden ist, hängt von Lebensphase und den Umständen ab, aber diese Resonanz brauchen wir so wie die Luft zum Atmen. Jedenfalls die meisten Menschen brauchen das. Und viele finden das im Lebenspartner, wie das Paar, das Du beschreibst oder auch Du und Michael und mir geht es ebenso.

    2) Rene Brown: was uns eint sind nicht die Stärken sondern die Verletzlichkeiten https://www.youtube.com/watch?v=vwFN6r7Y_Sg. Wir alle haben Schwächen und Stärken und wir suchen oft jemanden, der unsere Schwächen versteht und uns hilft, uns in unserer Gesamtheit anzunehmen, so unperfekt, wie wir eben sind. In Deiner Geschichte sind es ganz explizit die Schwächen, die klicken zwischen dem Paar, dass Du beschreibst. Wie schön: das Vertrauen der beiden, den anderen quasi zu ergänzen und zu komplementieren. Ich denke, auch das kommt recht häufig vor, wenn auch im allgemeinen die Defizite weniger sichtbar sind, als bei diesem Paar.

    Und damit bin ich bei Punkt 3:

    3) Die meisten Schwächen sind verborgen. Dass jemand nicht behindert ist, heisst nicht, dass er keine Schwächen hat. Oft sind im Gegenteil behinderte Menschen mental besonders stark, eben weil sie gelernt haben mit ihrer Einschränkung zu leben und ihre Andersartigkeit zu akzeptieren. Ich habe selbst auch solche Menschen im Familien- und Freundeskreis.

    Danke für die Anregung zum Nachdenken. Ich habe Deine Geschichten gerne, liebe Christine!

    Mit herbstlichen Grüssen aus Zürich,
    Sabine

    1. Liebe Sabine, ich freue mich sehr, dass Dich der Blogartikelzum Nachdenken angeregt hast und dass Du drei Erkenntnisse teilst, die Deinen Lebensweg prägen. Vom Resonanz-Prinzip habe ich gehört, doch das Buch von Rosa kenne ich noch nicht. Steht jetzt auf meiner Leseliste :-). Brene Browns Gedanken zu unserer Verletztlichkeit gefallen mir immer wieder. Du sprichst von Deiner Erfahrung aus dem Familien- und Freundeskreis, dass oft behinderte Menschen mental besonders stark sind, weil sie ihre Andersartigkeit akzeptieren und leben. Das kann ich mir gut vorstellen. Ähnliches ist jedem Menschen möglich, der nicht nur seine Stärken, sondern auch seine Schwächen gut kennt und mit ihnen lebt. Wie schön, dass Du die Geschichten auf unserem Blog magst.
      Herbstliche Grüße aus Berlin Christine

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